Wieviel Abgasskandal steckt in der Luftverkehrswirtschaft?

Foto: Christian Beuschel, pixelio.de

Der Abgasskandal in der Automobilindustrie zeigt: Alle sind beteiligt!

Und in der Luftfahrtindustrie? Wie verhält es sich dort mit den Messungen?

Gemessen wird CO2 und Lärm, NOx, Feinstaub und Ultrafeinstaub sollte gemessen werden. Immer wieder treten auch mittlere bis große Differenzen zwischen den Messwerten der Luftverkehrswirtschaft und den unabhängig ermittelten Daten auf. Aktuell in Hamburg stehen explodierende Beschwerdezahlen gegen angeblich unveränderte Flugbewegungen und Fluglärmpegel am Hamburger Flughafen.

Gemäß gesetzlichen Auftrag haben die Flughäfen die Emissionen zu messen und die Belastungen zu ermitteln. Soweit so gut. Die Auswertungen sind annähernd genormt, unterliegen aber der Deutungsfreiheit des Autors, des Flughafens. Auch in Feinheiten bestimmt der Flughafen den Informationsgehalt. So ist die seit Jahren geübte Praxis des Ausweises der Werte für die Zeit ab 22 Uhr seit Dezember 2015 ersatzlos weggefallen. Die Intervention der Betroffenen verhallt ungehört. Es ist zu glauben, nachfragen unerwünscht.

Die technische Ausrüstung der Messstationen ist Flughafenequipment und auch die laufende Wartung und Kalibrierung führt der Flughafen durch. Dritte sind nur am Rand involviert und die Informations- und Datenlage wird im gleichem Maße durch den Flughafen bestimmt. Da ist viel Flughafen und wenig Öffentlichkeit. Und wenn die Frage nach den sogenannten Rohdaten unbeantwortet bleibt, dann darf man berechtigt zweifeln und die Frage stellen:

Wieviel Abgasskandal steckt in der Luftverkehrswirtschaft?

Ergänzend ein Fundstück

... Bis zum Ende des Jahres 2009 muss gemäß § 4 Abs. 4 Fluglärmschutzgesetz der Lärmschutzbereich am Flughafen Köln/Bonn neu berechnet und festgesetzt werden. Die Festsetzung erfolgt gemäß § 4 Abs. 2 Fluglärmschutzgesetz per Rechtsverordnung der Landesregierung. Entscheidend für die Größe des Lärmschutzbereiches sind die Eingangsdaten aus dem Datenerfassungssystem (DES), das der Flughafen Köln/Bonn dem NRWUmweltministerium zur Verfügung stellen muss. Das Umweltministerium hat sich bislang geweigert, den Mitgliedern der Fluglärmkommissionen an den NRW-Flughäfen diese Eingangsdaten aus dem DES zur Verfügung zu stellen, obwohl eine entsprechende Anfrage seitens des Vorsitzenden der Fluglärmkommission am Flughafen Köln/Bonn vorliegt. Die Herausgabe der Eingangsdaten des DES zur Berechnung der Lärmkarten gemäß EUUmgebungslärmrichtlinie am Flughafen Düsseldorf musste sich das Mitglied der Fluglärmkommission am Düsseldorfer Flughafen, Joachim Hans Beckers, vor kurzem erst gerichtlich unter Berufung auf das Umweltinformationsgesetz erstreiten. Die sich anschließende Durchsicht ergab unberücksichtigte Flugverkehrssituationen im DES, was zwangsläufig zu einer fehlerhaften Berechnung der Schallimmissionspläne führen musste.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel der Freien Hansestadt Bremen. Der zuständige Bremer Senator für Wirtschaft und Häfen stellte der Bundesvereinigung gegen Fluglärm Anfang Juni 2009 anstandslos den Entwurf des Datenerfassungssystems zur Berechnung von Lärmschutzzonen für den Verkehrsflughafen Bremen zur Verfügung. Die Akzeptanz künftiger Schallschutzmaßnahmen am Flughafen Köln/Bonn steht und fällt mit der Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Eingangsdaten des DES.

Quelle: http://www.juramagazin.de/206369.html