BVF POLICY PAPER März 2026: Kurzfassung wichtiger Ergebnisse
Der Nutzen des Luftverkehrs
Teile der Luftverkehrswirtschaft klagen, dass das Wachstum des Luftverkehrs in Deutschland hinter dem Ausland selbstverschuldet zurückbleibe. Ein stärkeres Wachstum, wird argumentiert, wäre gut für die deutsche Volkswirtschaft. Aber stimmt das? Gibt es einen volkswirtschaftlichen Nutzen bei weiterem Wachstum des Luftverkehrs? Die Ergebnisse:
» Für jede Nachfrage nach einem Flug gibt es heute ein Angebot in erreichbarer Nähe.
In Ballungsräumen wie Frankfurt, München, Berlin, Hamburg oder Düsseldorf gibt es eine sehr hohe Dichte an Flugverbindungen, sowohl national als auch international. Zu innerdeutschen Flügen gibt es genügend Alternativen.
» Der Urlaubsreiseverkehr macht laut DLR 50-60 % des Passagieraufkommens in Deutschland aus.
Reisen ins Ausland stellen volkswirtschaftlich einen Nettotransfer von Volksvermögen dar. Für Deutschland ist der volkswirtschaftliche Effekt gering.
» Der internationale Flughafenverband ACI ermittelt 2024, eine 10%ige Verbesserung der Konnektivität (gemessen via „direct flights“) führe zu 0,5 % Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (GDP). Lokalisiert man die Effekte, dann rühren sie hauptsächlich aus Osteuropa sowie den Empfängerländern des Tourismus. Für die übrigen Länder Westeuropas zeigen sich keine positiven Effekte.
» Neueste Studienergebnisse zeigen, dass Wohlstand in der Regel Luftverkehr nach sich zieht – nicht umgekehrt.
Schon in einer Studie der OECD von 2013 ohne regionale Aufsplittung wurde für den Durchschnitt des Datensatzes ermittelt: „no significant impact on output” und „absence of robust findings on growth effects”.
» In reichen Volkswirtschaften ist der Luftverkehr ausgebaut und der Grenznutzen einer zusätzlichen Konnektivitätsverbesserung gering, so dass sich im Mittel keine Kausalität von Connectivity zu GDP pro Einwohner ergibt.
» Sind hohe Luftverkehrsteuern am geringen Wachstum schuld? Eine Studie der EU-Kommission zeigt zu Luftverkehrsteuern, dass 8-9 % weniger Flugbewegungen im Mittel (nur) zu 0,05 % Reduktion des GDP beitragen.
» Die Preise für Flugverkehr sind nicht kostendeckend – weder ökologisch noch gesundheitlich.
Eine Reform der Rahmenbedingungen (z. B. Kerosinsteuer, CO2-Preis, Lärmschutz, Gesundheit) wäre nötig, um eine ausgewogene Bilanz zu erreichen.
» Luftverkehr kostet die Gesellschaft jedes Jahr: Subventionen, Umweltkosten, Krankheitskosten/ Lärmkosten.
Fazit: Die volkswirtschaftliche Rolle des Luftverkehrs wird überbewertet. Ein weiteres Wachstum wird weder neue Jobs noch volkswirtschaftliche Effekte bringen. Die gesundheitlichen und ökologischen Schäden des Luftverkehrs sind erheblich und werden von der Luftverkehrswirtschaft sozialisiert.
Ein weiteres Wachstum des Luftverkehrs in Deutschland ist
» nicht notwendig zur Verbesserung der Konnektivität
» ökonomisch ohne positive Wirkung
» nicht vertretbar unter gesundheitspolitischen und ökologischen Gründen
Das gesamte Papier mit ausführlichem Text zu den einzelnen Abschnitten von der BVF (Bundesvereinigung Fluglärm e.V.):
BVF POLICY PAPER März 2026, Der Nutzen des Luftverkehrs: Kurzfassung wichtiger Ergebnisse + Stand der Erkenntnisse (pdf)