Greenwashing der Luftverkehrslobbyisten

Neue Factsheets von Stay Grounded (Sept. 2021)

In den Fact Sheets überprüft Stay Grounded die Behauptungen der Luftverkehrslobbyisten und entlarvt gängige Mythen und Missverständnisse.

BEISPIELE
Was die Luftfahrtindustrie behauptet: Das Fliegen kann durch die Verbesserung der Flugzeugeffizienz dekarbonisiert werden.
Was sie dabei verschweigt: Die Geschichte zeigt uns, dass „Effizienzverbesserungen“ immer mit erhöhten Emissionen einhergingen! Denn Effizienzsteigerungen senken auch die Kosten für das Fliegen und tragen zum Wachstum des Luftverkehrs bei, was zu einem Emissionswachstum führt, das die Emissionsreduktionen der "Flugzeugeffizienz" weit übertrifft.

Was die Luftfahrtindustrie behauptet: Finanzielle Einschränkungen für Airlines wie erhöhte Preis- oder Kraftstoffsteuern sollten nicht erhoben werden, da dies den verfügbaren Gewinn für Investitionen in neue Technologien und Verfahren verringert.
Was sie dabei verschweigt: Wir brauchen weitere Maßnahmen zur Begrenzung der Emissionen wie höhere Preise oder Kraftstoffsteuern, um Anreize für weniger Kraftstoffverbrauch zu schaffen. Solche Maßnahmen werden Effizienzsteigerungen sogar beschleunigen.

Luftverkehr und Klimaneutralität erst in sehr ferner Zukunft möglich

Klimaschutz & Luftverkehr: Saubere Kraftstoffe werden voraussichtlich immer mehr verwendet, werden aber bis 2030 nur wenige Prozent des Kraftstoffs ausmachen und erst nach 2050 eine nennenswerte Wirkung entfalten.
Die sechs Hauptprobleme des Luftverkehrs, The Guardian, 5. September 2021 Artikel lesen: The six problems aviation must fix to hit net zero


Der BDL
(Bundesverband der dt. Luftverkehrswirtschaft) suggeriert anderes: "Weltweit läuft die Forschung zu alternativen Flugzeugantrieben auf Hochtouren."
Auf Hochtouren läuft allein die Billigfliegerei, von Klimaschutz ist beim Luftverkehr weit und breit nichts zu sehen.

Scheinlösung PtL

Der weltweite Verbrauch des gesundheitsschädlichen und umweltgefährdenden Flugzeugtreibstoffs Kerosin – verursacht durch den kommerziellen Luftverkehr – betrug im vergangenen Jahr 356 Mrd. Liter. Bei dessen Verbrennung wurden knapp eine Milliarde Tonnen klimarelevantes Kohlenstoffdioxid (CO2) ausgestoßen. Gemäß Kostensatz des Umweltbundesamtes (UBA) von 180 Euro pro Tonne CO2, entstand hierdurch ein weltweiter luftverkehrsbedingter Klimaschaden von 177 Mrd. Euro. Größtenteils zu „bezahlen“ von den Menschen in den Regionen der Welt, die den geringsten Anteil an dieser Form der globalen Umweltverschmutzung haben; mit ihrem Hab und Gut, mit ihrem Leben.

Unter dem Begriff „Power-to-Liquid“ (PtL) ist die Herstellung flüssiger Kraftstoffe (z.B. Kerosin) aus elektrischem Strom unter Zuhilfenahme von Wasser und Kohlenstoff zu verstehen. Mehr über die beiden möglichen Verfahren lesen Sie im BAW-Blog.

Die PtL-Technik konnte sich aufgrund des immensen Energieaufwandes – und der damit verbundenen sehr hohen Erstellungskosten – nicht durchsetzen. Die Süddeutsche Zeitung vom 04. August 2019 bringt es auf den Punkt: Die Vorschläge der Luftfahrtindustrie zum Klimaschutz sollen nur echte Politik vereiteln.

Foto: Composing mit Motiven von pixabay

CORSIA – Ein Luftverkehrsinstrument zum Austricksen des Klimaschutzes

Obwohl der weltweite Luftverkehr bis zum Jahr 2050 um 700 Prozent wachsen soll, verspricht die Internationale Zivilluftfahrtorganisation mit Hilfe von Emissionsgutschriften ab 2020 „klimaneutral“ zu wachsen. Wie das funktionieren soll? Mittels Ablasshandel und Greenwashing!

CORSIA steht im Wesentlichen für kostenlose Verschmutzungszertifikate der Luftverkehrsbranche. 210 Mio. t CO2 pro Jahr bedeuten einen ungedeckten jährlichen Klimaschaden von 37,8 Mrd. Euro! Zu bezahlen von den Menschen, die am meisten unter der Klimakatastrophe zu leiden haben.

CORSIA dient dem Greenwashing des kommerziellen Luftverkehrs, nicht jedoch dem Klimaschutz!

Lesen Sie weiter im BAW Blog ...

Grünes Fliegen - gibt es das?

Finance & Trade Watch (Österreich), Nov. 2017

Ungebremstes Wachstum mit grünem Deckmantel

Flugverkehr: Der schnellste Weg, die Erde aufzuheizen

Das Problem ist, dass für jede weitere Tonne CO2 rund drei Quadratmeter arktisches Sommereis verschwinden, so eine neue Studie. Fliegt eine Person zum Beispiel von Wien auf die Kanarischen Inseln und zurück, folgt daraus, dass rund viereinhalb Quadratmeter Arktiseis abschmelzen. Doch beim Klimawandel geht es nicht nur um Gletscher und Eisbären. Es handelt sich um kein nebensächliches Umweltproblem, um kein lästiges Ärgernis. Klimawandel bedeutet steigende Meeresspiegel und bald unbewohnbare Regionen, erzwungene Migrationsbewegungen, extreme Wetterereignisse, eine Gefährdung der Landwirtschaft und Ernährung, Konflikte um Zugang zu Wasser und fruchtbarem Land und eine drohende Gesundheitskrise. Klimawandel entwickelt sich zunehmend zur Klimakrise, und damit zur Krise für unsere Wirtschaft und unser Leben.
Grünes Wachstum - gibt es das? (pdf)

Verschmutzungszertifikate in Europa: EU-ETS

Seit 2012 wird auch der innerhalb Europas stattfindende Luftverkehr in das EU-ETS einbezogen. Fluggesellschaften müssen für einen (sehr kleinen) Teil ihrer ausgestoßenen Treibhausgasemissionen entsprechende Verschmutzungszertifikate kaufen. Jeder Fluggesellschaft wird jedoch eine (übergroße)Freimenge an THG-Emissionen“ jährlich kostenlos zugeteilt. Nur für die Emissionsmengen, die über diese „Freigrenze“ hinausgehen, müssen Zertifikate dazugekauft werden. Als Referenz für die Anzahl an Zertifikaten, die für den EU-Luftverkehr insgesamt vorgesehen sind, dient der jährliche Durchschnitt der branchenbezogenen THG-Emissionen im Zeitraum 2004 bis 2006 (sogenannte „historische Emissionen“). Die Anzahl an aktuellen Zertifikaten für den Luftverkehr beträgt pro Jahr maximal 95 % der „historischen Emissionen“. Eine kontinuierliche Reduktion der Luftverkehrsverschmutzungszertifikate ist (bisher) nicht vorgesehen; damit wird die Branche gegenüber anderen THG-Emittenten ungebührlich privilegiert.

ACHTUNG: Von den THG-Verschmutzungszertifikaten des Luftverkehrs werden lediglich 15 % durch die Mitgliedstaaten versteigert (derzeit zwischen einem Preis von 16 – 29 Euro pro Tonne CO2) und 85 % kostenlos zugeteilt, d.h. verschenkt!

Die im Gesamtmarkt vorhandenen CO2-Zertifikate haben keinen kapazitätsbeschränkenden Einfluss auf z.B. die Stahlproduktion oder den Luftverkehr haben. Sie stellen lediglich einen (marginalen) zusätzlichen Kostenfaktor dar – über Jahre lag der Zertifikatpreis unterhalb von fünf Euro.

Weiterlesen im BAW-Blog

Angaben UBA: Europäischer Emissionshandel

Berücksichtigt sind grundsätzlich alle Flüge, die innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) starten oder landen („Full scope“).

In den Jahren 2010 und 2011 lagen die Emissionen des europäischen Luftverkehrs bei 52 Mio. t CO2-Äq. Seit 2013 werden nur noch die Emissionen des reduzierten Anwendungsbereichs „eingepreist“. Diese stiegen seitdem von 8,6 auf 9,0 Mio. t CO2-Äq. bis 2019.

Quelle: Umweltbundesamt UBA      Weiterlesen beim UBA

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